Bitter bringt‘s!

Bitterstoffe schützen Pflanzen vor Feinden und halten sie gesund. Was die sekundären Pflanzenstoffe für die menschliche Gesundheit leisten können und warum es sich lohnt, regelmäßig das Gesicht zu verziehen.

Bitter liegt in der Hitparade der Geschmacksrichtungen nicht auf Platz 1. Dann schon lieber zuckersüß oder herzhaft pikant! Dass es bitter schmeckende Lebensmittel eher selten auf den Einkaufszettel schaffen, ist schade, um nicht zu sagen bitter. Der Körper nämlich würde sich über die eine oder andere Bitternote auf dem Teller freuen und das aus gutem Grund, wie die Wiener Ernährungswissenschafterin und TCM-Expertin Dr. Claudia Nichterl berichtet: „Bitterstoffe sind wahre Multitalente für unsere Gesundheit. Sie unterstützen die Verdauung, indem sie die Produktion von Magensäure, Gallenflüssigkeit und Enzymen anregen. Sie reduzieren zudem den Heißhunger auf Süßes, regulieren den Appetit und aktivieren den Stoffwechsel.“ Schokoholics empfiehlt Nichterl daher, anstatt zur süßen Milchschokolade öfter einmal zur hochprozentigen Bitterschokolade zu greifen. Da Kakaobohnen reich an Bitterstoffen sind, genügen bei Schokolade mit hohem Kakaoanteil schon wenige Stücke, um die Lust auf Süßes zu befriedigen.

Bitterstoffe sind auch wertvolle Helferlein für die körpereigene Müllabfuhr. „Sie unterstützen die Leber bei den Stoffwechsel- und Entgiftungsprozessen und regen die Regeneration der Leberzellen an.“ Auch der Darm und seine Bewohner, die entscheidend für unsere Abwehrkräfte sind, freuen sich über die wertvollen sekundären Pflanzenstoffe.

Bitterstoffe wirken jedoch nicht nur isoliert, sondern sind Teil eines komplexen Netzwerks sekundärer Pflanzenstoffe, das auch andere gesundheitsfördernde Substanzen wie Polyphenole, Tannine und ätherische Öle umfasst. „Diese arbeiten synergetisch zusammen und tragen zur ganzheitlichen Wirkung von bitterstoffreichen Lebensmitteln bei“, erläutert die Expertin.

 

Dr. Claudia Nichterl,
Ernährungs- wissenschafterin und TCM-Expertin

 
 

Die Stars unter den Bitterstoffen

Natürliche Bitterstoffe ist der Oberbegriff für eine ganze Reihe unterschiedlicher chemischer Verbindungen, die allesamt bitter schmecken. Zu den wichtigsten Vertretern der pflanzlichen Bitterstoffe zählen diese Multitalente:

Sesquiterpenlactone:  

Hauptbestandteile in Löwenzahn, Wermut und Schafgarbe. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend, fördern die Verdauung und unterstützen die Leberfunktion.

Glucosinolate: 

Diese schwefelhaltigen Verbindungen finden sich vor allem in Kreuzblütlern wie Kohlsprossen, Grünkohl und Brokkoli. Sie werden im Körper zu Isothiocyanaten umgewandelt, die als Antioxidantien wirken und die Zellgesundheit fördern.

Flavonoide: 

Bittere Flavonoide, wie Naringin in Grapefruits oder Hesperidin in Zitrusfrüchten, haben antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften. Sie unterstützen das Immunsystem und die Gefäßgesundheit.

Cynarine:  

Dieser Bitterstoff kommt vor allem in Artischocken vor und unterstützt Galle und Leber bei der Fettverdauung und Entgiftung.

Rezepte siehe ePaper!


Text: Natascha Gazzari⎪Fotos: iStock_ Vitalii Kholmohorov; Klaus RaNger

 

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